UWG: „Es ist viel produktiver, Parteifarben außen vor zu lassen“

„Suchet der Stadt Bestes“ – ist das Vermächtnis von Günther Vahlefeld und Werner Turck. „Und nur diesem Ziel fühlen wir uns weiterhin verpflichtet“, so Werner Lemmert und Dr. Sabine Wallmann im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger. „Das heißt für uns, ohne parteipolitische Scheuklappen, die Probleme dieser Stadt und der Menschen zu analysieren, Lösungen zu entwickeln und diese unkompliziert, zügig und effektiv zu realisieren.“

Die UWG hat sich einstimmig dazu entschieden, im kommenden Kommunalwahlkampf gemeinsam mit der CDU, den Grünen und der FDP den Kämmerer Markus Tempelmann als Bürgermeisterkandidaten zu unterstützen. Wie kam es dazu?

„Nun, die UWG erwartet, dass sich ein Stadtoberhaupt als persönliches Bindeglied zwischen der hauptamt­lichen Verwaltung und der ehrenamtlichen Politik versteht. Als integrierender Partner aller Halveraner. Er muss Ideen und Vorschläge aller Bürger und Fraktionen aufnehmen und verarbeiten. Das heißt Unabhängigkeit im Amt und eine offene, vertrauensvolle Kommunikation mit allen Fraktionen. 

Wir wünschen uns eine frühere Einbindung der Politik in die Entscheidungsprozesse. Wir wollen keine fertigen Projekte abnicken, sondern sie gemeinsam entwickeln. Und dies auch durchaus in einer konstruktiv kritischen Diskussion. Das konnten wir leider in der letzten Zeit nicht mehr erkennen. 

Und wer unzufrieden ist, weil Gespräche nicht mehr fruchten, der sucht nach neuen Wegen, der sucht nach neuen bekannten Personen. Der Wechsel unserer Unterstützung im Bürgermeisterwahlkampf von Michael Brosch hin zu Markus Tempelmann ist insofern nur eine logische Konsequenz aufgrund unserer Erfahrungen. Und auf die Kompetenz von Markus Tempelmann kann Halver nicht verzichten. 

Und das macht Markus Tempelmann Ihrer Ansicht nach besser als Michael Brosch?

„Das hoffen und erwarten wir von ihm – genauso wie am Anfang von Michael Brosch. Markus Tempelmann war uns immer ein aufgeschlossener und kompetenter Partner in der Verwaltung. Dabei waren wir weiß Gott nicht immer einer Meinung in den vergangenen Jahren und werden das wahrscheinlich auch in Zukunft nicht sein. Aber im Dialog ist es uns gelungen, an den Projekten gemeinsam weiterzuarbeiten. Dabei hat er uns sehr konstruktiv und mit viel Wissen und Arbeit im Detail begleitet. Gute Beispiele hierfür sind das Rathausumfeld mit Spielplatz und „Kindervilla“, das Konzept des Kreativquartiers, die Sanierung der Wirtschaftswege. Alles Projekte, die wir auch mit anderen gemeinsam entwickelt haben.

Und wie bewerten Sie die Stellungnahme der SPD?

Die SPD kennt leider kein „wir“ mehr, sie kennt leider nur noch „ich“. Kompromisse und Konsens sind ihr leider fremd geworden. Die Aussage, die UWG hätte damals geglaubt, „mehr Einfluss auf das Bürgermeisteramt zu erlangen“ zeigt leider die schräge parteipolitische Denkweise. Das klingt nach manipulieren und lenken. Nein – wir wollen partnerschaftlich und auf Augenhöhe mitgestalten und Verantwortung tragen.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Kastner redet von  „Einheitsbrei“ der 4 anderen Rats-Fraktionen!

Gemeinsam gestalten und Verantwortung für diese Stadt tragen ist kein Einheitsbrei. Und um dies hier nochmal zu betonen: Diese interfraktionelle Zusammenarbeit war kein „Closed Shop“. Ziel war immer, konkrete Projekte bis zur Realisierung zu entwickeln – konstruktiv, mit viel Arbeit im Detail, aber auch mit vielen Kompromissen. 

Also klassische Projektarbeit und kein politisches Aus­handeln nach dem Motto, „Wir wollen das Projekt und welche Projekte wollt ihr?“ Und das hat halt mit einigen Personen hervorragend funktioniert und mit anderen nicht. Und wenn wir dann konkrete Fachexpertise brauchten, haben wir die vom Kämmerer bekommen.

Im Übrigen besteht Kommunalpolitik auch nicht nur aus großen Projekten, sondern auch aus viel Detailarbeit in den Ausschüssen und im Rat. Und hier hat die UWG nun wirklich große Kompetenz bei ihren Vertretern vorzuweisen. Nehmen Sie den Finanzbereich, die Schulpolitik, den Planungsausschuss, den Bauausschuss oder den Sozialausschuss. In all diesen Bereichen haben wir in den vergangenen Jahren die Arbeit der Verwaltung konstruktiv kritisch begleitet. Und das hat man uns auch oft genug positiv von Verwaltungsseite gespiegelt. Und kostengünstiger kann sich ein Rathaus „externe“ Kompetenz nicht einkaufen!

Trotzdem hat die Öffentlichkeit doch gemerkt, dass die vier Fraktionen in den letzten Jahren eng zusammenarbeitet haben

Ja natürlich – und durchaus sehr erfolgreich! Was blieb uns anderes übrig? Die UWG hat schon am Anfang der Legislaturperiode gemerkt, dass wir allein keine Projekte durchsetzen können, mögen sie auch noch so kreativ und gut sein. Nehmen Sie die Idee, das Bürgerzentrum in den Kulturbahnhof zu integrieren. 

Das hat uns gezeigt, dass man sich früh genug mit anderen abstimmen muss, um eine Idee zu verwirklichen. Und alle haben gemerkt, dass es viel produktiver ist, die Parteifarben außen vor zu lassen. Und ehrlich – so muss doch Kommunalpolitik auch laufen!

Also braucht Halver weiter eine UWG Fraktion im Rat der Stadt? 

Da sind wir ganz selbstbewusst: Mehr denn je! Halver muss sich auf vielen Gebieten den Herausfor­derungen der Zukunft stellen. Wir halten nichts von dem alten Spruch von Helmut Schmidt, „Wer eine Vision hat, der soll zum Arzt gehen.“ Zukunftsgestaltung heißt innovativ denken und neue Wege gehen.

Insofern sind Projekte wie das Kreativzentrum und die Eventhalle keine Phantasieblasen. Eine Heimat für Gründer verbunden mit einem Netzwerk etablierter Unternehmen unserer Region bedeutet Zukunftssicherung. Und hier liegt ein konkretes Konzept lange vor. Und die Eventhalle – da müssen wir halt alle gemeinsam die Möglichkeiten und Chancen für unsere Region prüfen und dann entscheiden.

Und wir laden alle interessierten Bürger ein, die UWG bei der Aufstellung und Formulierung ihrer Ziele für Halvers Zukunft zu begleiten, unter dem Motto: Unser Halver – fit für morgen !